09 / Paralleltexte
aus andern Quellen

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Es springt in die Augen und wurde wiederholt bemerkt, dass wir es hier mit Be- standtheilen von liturgischen Büchern nach griechischem Ritus zu thun haben, welche letztere bekanntlich insgesammt aus dem Griechischen ins Slawische übersetzt sind. Da nun diese Bücher sowohl griechisch als slawisch vorhanden sind, so wäre eine Nachweisung des griechischen Originaltextes und der slawischen Version in andern Handschriften oder Drucken für die Kritik und Interpretation unserer Fragmente das erste und dringendste Bedürfniss. Allein so viel Mühe ich mir auch in dieser Beziehung gab, so gelang es mir dennoch nicht. bis zur Stunde des einen und des andern vollständig habhaft zu werden; so dass ich genöthigt bin, mich auf die Mittheilung dessen, was ich bis jetzt gefunden oder erhalten habe, zu beschränken. Die Ursache, warum es so schwer ist, bis zu der Quelle unserer Frag- mente vorzudringen, liegt nicht allein in der Unmöglichkeit, die hieher gehörigen, durch Europa zerstreuten griechischen und slawischen Handschriften in so kurzer Zeit durchzu- sehen, sondern vorzüglich in dem Umstande, dass die griechischen Kirchenbücher, welche bis Ende des IX Jh. noch ziemlich einfach und gering an Zahl waren, seit dem Anfange des X Jh. eine Umwandlung erfuhren und zu einer Zahl anwuchsen, die uns in Staunen setzt. Bei dieser Umwandlung wurde zwar Vieles von dem alten Grundstock in den neuen Bau, verändert oder unverändert, herübergenommen, gar Vieles aber auch, zumal in späte rer Zeit, als veraltet beseitigt und durch neuere Gebilde ersetzt. Dieses Schicksal traf ins- besondere die alten kurzen einfachen Exapostelarien, welche schon in X Jh. den prunk- haftern des Kais. Constantio Porphyrogenet (913-959) Platz machen mussten. Da indess ein bedeutender Theil unserer Fragmente aus alten griechischen und slawischen Quellen schon jetzt zu belegen ist, so zweifle ich nicht, dass es mit der Zeit bei beharrlichem Nach suchen gelingen wird, auch für den andern Theil die erwünschten Ur- oder Parallel-Texte in alten Handschriften zu entdecken.

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Zu den Exapostelarien 1. A. und B. fand sich nur eins, und zwar das zweite, von ganz gleichem Wortlaut in einem pergamentenen Triod vom J. 1311 in Moskau vor, das ich der Güte des Hrn. Prof. Bodjansky verdanke. Es lautet dort:

Шть иконосныхъ ти подъ стоуденець присмотскогорь, христе, потерии и предроты, да ці кордеть, ако пода текорди источники, уловкою.

Zu dem dritten entdeckte ich selbst eine Parallele in dem Synaxar eines aus einem glagolitischen Codex copirten bulgarischien Apostels aus dem Ende des XII Jh. und in einem serbischen zwischen die J. 1357-1367 fallenden Typicon, welche indess nur zur Hälfte übereinstimmt.

Преобрази са на горт, христе коже, показа (Тур. покале) орусникомъ слана свой, тоже по- (Тур. пасивить и) вам грешником скать ткон истинынь (Тур. истинны), по- ат согородица, спѣтодаите господи (Тур. omitt, господи), ст.

In Übereinstimmung damit lautet der griechische Text im Menium:

Μετεμορφώθης ἐν τῷ ὄρει, Χριστὲ ὁ Θεός, δείξεις τοῖς μαθηταῖς σου τὴν δόξαν σου, καθώς ἠδύναντο. Λάμψον καὶ ἡμῖν τοῖς ἁμαρτωλοῖς τὸ φῶς σου τὸ ἀἴδιον πρεσβείας τῆς Θεοτόκου, φωτο- δότα, δόξα σοι

Weit schwächere Anklänge an unseren glagolitischen Text finden sich in einer entspre Ichenden llymne aus einem Sticherarion des XI-XII Jh. in der kais. Bibliothek in Sanct-Petersburg. Sie lautet nach Hrn. Prof. Sreznevsky gütiger Mittheilung:

Сон Пасю паселеного осветика, на горѣ кисона прообрази са, клагин, показа орусинком скони силок свою, пко миръ избавлении отъ престориласини, тем вълких тв, досреде господи, сълзен доуша наша

Ein Gleiches gilt von der fünften Světilna, welche mir die Herren Proff. Bodjansky in Moskau und Grigorovič in Kazan aus einem alten gedruckten Kirchenbuche eingeschickt haben.

Охиных моноти, ослепленных, господи, отъ прачунаго гряха, ты проснати, клон, це, сменіс, и покланів онын слезами.

Im Griechischen nach Hrn. Grigorović also:

Τοὺς νοερούς μου ὀφθαλμούς, πεπηρωμένους, κύριε, ἐκ ζοφερᾶς ἁμαρτίας, σὺ φωταγώγησαν, ἐνθεὶς, οἰκτίρμον, τὴν ταπείνωσιν, καὶ τοῖς τῆς μετανοίας απόπλυνον δάκρυσι.

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Etwas abweichend lautet dieselbe, nach des Hrn. Bodjansky Mittheilung, in dem obge nannten pergamentenen Triodion vom J. 1311.

Разом ми оти осльший, господи, отъ прахьнаго гряха, ты проскати, положи, пред смерник, и покани за слин

Zu den übrigen, namentlich zu der sechsten und neunten, lassen sich wohl einzelne entsprechende Sitze oder Parzellen aus alten Handschriften und Drucken nachweisen; aber das Ganze stimmt nicht überein. Darum mögen hier nur noch als Probe die sechste und neunte stehen, jene aus dem genannten serbischen Typicon, diese aus dem Synaxar des Cetynjer Psalters 1495 (beide mit bulgarisirter Orthographie)..

Възнесе са на слакт, христе коже нашь, радость съткорь орусинкомъ осетованиинь СКАТЭГО духа, в них лагословением, коты и сынъ кожни, изелитель мирот. Истра, клись пере, похилимъ ныне, и павлакогонадрие, създавать во всех праз дати но и протса, ако проповедьника кара, просае грахови оставление.

Ich unterlasse es den griechischen Text der beiden letzten Exapostelarien anzuführen, da man ihn in den gedruckten Kirchenbüchern leicht finden kann.

Von dem zweiten Fragment vermag ich gleich die erste Antiphona mit dem griechi- schen Originaltext aus dem Hymnographen Cosmas zu belegen, den ich der Güte des Hrn. Prof. Miklosich verdanke, da mir nur die lateinische Version zu Gebote stand. Derselbe lautet bei Gallandus (Bibl. Patr. XIII. p. 244):

Εκύκλωσαν κύνες ὡσεὶ πολλοὶ, ἐκρότησαν, άναξ, σιαγόνα σὴν φαπισμός πρώτων σε, σοῦ δὲ ψευδή κατεμαρτύρουν καὶ πάντα ὑπομείνας ἅπαντας έσωσας.

Zu den zwei andern Antiphonien fehlen mir die griechischen Originale; dafür bietet das gewöhnliche Triodion den griechischen Text des Kathisma und der Makarismen dar.

Ich führe ihn nach der Venediger Ausgabe vom J. 1850 an.

Ποιός σε τρόπος, Ἰούδα, προδότην τοῦ σωτῆρος εἰργάσατο; μὴ τοῦ χορού σε τῶν ἀποστόλων ἐχώρισε; μὴ τοῦ χαρίσματος τῶν ἰαμάτων ἐστέρησε; μὴ συνδειπνήσεις ἐκείνοις σὲ τῆς τραπέζης ἀπώσατο; μὴ τῶν ἄλλων νέφας τοὺς πόδας τοὺς τοὺς ὑπερείδεν, ὦ πόσων ἀγαθῶν ἀμνήμων ἐγένου καὶ σοῦ μὲν ἡ ἀχάριστος στηλιτεύεται γνώμη αὐτοῦ δὲ ἡ ἀπείκαστος μακροθυμία κηρύττεται καὶ τὸ μέγα ἔλεος.

Διὰ ξύλου ὁ ᾿Αδάμ παραδείσου γέγονεν άποικος· διὰ ξύλου δὲ σταυροῦ ὁ ληστής παράδεισον ᾤκησιν· ὁ μὲν γὰρ γευσάμενος ἐντολὴν ἠθέτησε τοῦ ποιήσαντος· ὁ δὲ συσταυρούμενος Θεόν ομολόγησε τὸν κρυπτόμενον Μνήσθητε καὶ ἡμῶν, σωτήρ, ἐν τῇ βασιλεία σου. Τὸν τοῦ νόμου ποιητὴν ἐκ μαθητοῦ αἰνήσαντο ἄνομοι, καὶ ὡς παράνομον αὐτὸν τῷ Πιλάτου

βήματι έστησαν, κραυγάζοντες Σταύρωσον τὸν ἐν ἐρήμῳ τούτους μανταδοτήσαντα ! Ἡμεῖς δὲ τὸν δίκαιον λῃστὴν μιμησάμενοι, πίστει κράζομεν· Μνήσθητι καὶ ἡμῶν, σωτήρ, ἐν τῇ βασιλείᾳ σου

Ich enthalte mich absichtlich, den slawischen Text aus den gedruckten cyrillischen Kir. chenbüchern anzuführen, da es zur Erläuterung unserer Fragmente nichts beiträgt.