15 / Interpunction
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15.
Die Interpunction der Fragmente gehört zu den selteneren und verdient Beachtung. Die regelmässige Interpunction bilden in beiden Fragmenten zwei grosse, meist eckige, senkrecht über einander gestellte Puncte, welche in I. B. gar zu häufig, in II. A. und B. etwas seltener angewendet werden, wofern sie im letz'ern, wie mir wahrscheinlich ist, nicht grösstentheils verschwunden sind. Nur I. B. 21. steht zweimal bloss cia Punct; und II. A. nach den Zahlbuchstaben und einigemal auch am Ende des Absatzes auch drei in ein Drei- eck, ja II. B. 17. einmal sogar vier in ein Viereck zusammengestellte Puncte. Auch in L B. 3. bilden drei Puncte den Schluss der Zeile und sowohl auf dieser Seite, als auf L A., werden am Ende des Aufsatzes oder der Überschrift den zwei Puncten noch mehrere krummgeschweifte Striche, als Zierathen zur Ausfüllung der Linie, angehängt. Bekanntlich dienen bei den Runen zwei, seltner drei Puncte zur Interpunction; dasselbe gewahrt mão auf einem sibirischen Denkmal mit Inschrift bei Strahlenberg (Nordöstl. Theil v. Eur. Tab. V. S. 208, vgl. S. 357. 399 u. 410-411). Im Gothischen bilden zwei Puncte die grössere, ein Punct die kleinere Interpunction. In alten armenischen Handschriften findet man zwei und drei Puncte, in samaritanischen neben einem ebenfalls zwei und drei, den mittlern etwas seitwärts nach links gestellt. Im Aethiopischen wird jedes Wort vom andern durch zwei Puncte getrennt und der Satz mit vier und mehren Puncten geschlossen. Im Griechischen, Römischen, Oskischen, Hetrurischen u. s. w. begegnet man seit der altesten Zeit in der Regel nur einem Puncte, obschon nicht ganz ohne Ausnahme. So findet man in dem griechischen Evangeliarium Vaticanum No. 351 aus dem IX Jh. (siehe Evangeliar. quadruplex ed. Bianchini P. I. p. DIV, und die Tab. V nach p. CDXCH) und in dem wahrscheinlich nicht viel jüngern paläographisch sehr merkwürdigen griechischen Psalter in Cambridge (Astle Or. of Writing ed. 2. Tab. VI. p. 76) zwei Puncte als Interpunction. In cyrillischen Denkmälern fand ich diese Interpunction bis jetzt nur in einigen wenigen aus der ältesten Periode, und zwar in solchen, welche entweder augenscheinlich aus glagolitischen Originalen abgeschrieben sind, oder Ländern, wo die Glagolica bekannt war, angehören, namentlich im Gregor von Nazianz aus dem XI Jh. in S.. Petersburg (in den ersten vier Reden, wenn ich nicht irre), in zwei bulgarischen Lectionarien der Episteln aus dem XII Jh., in den uralten cyrillischen Zeilen im Martyrologium zu Raygern und in den ältesten bulgarischen und serbischen Urkunden (aus dem XII Jh.) Auch in dem Evangeliarium des h. Prokop in Rheims werden die Zahlbuchstaben meist zwischen zwei Puncte eingefasst, manchmal auch die Abbreviaturen in dem Synaxarium damit geschlossen.