08 / Der Text
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8.
Ich lasse nun, um für die folgenden Bemerkungen und Betrachtungen die nöthige Grundlage vor den Augen zu haben, den Test der beiden Fragmente, soweit es mir gelun. gen, ihn zu entziffern, seiner ganzen Gestaltung nach, d. i. Seite für Seite, Zeile für Zeile und Wort für Wort, mit allen Abbreviaturen und Interpunctionszeichen, folgen, und zwar sowohl in der ursprünglichen glagolitischen Schrift, als in einer adäquaten lateinisch-sla- wisch orthographirten Transscription. Der letztern will ich mich auch hinführo, bei der Be- sprechung des Einzelnen, der Bequemlichkeit wegen, häufig bedienen.
Als ein hoffentlich nicht überflüssiges Epimetron füge ich dem allen am Ende eine cy. rillische Umschreibung des glagolitischen Textes bei, da dieselbe, aus dem so eben ange- deuteten Grunde, dem letztern selbst nicht unmittelbar gegenüber gestellt werden konnte. Es lag eigentlich anfangs gar nicht in meiner Absicht diese Umschreibung hier aufzuneh men; indessen entschloss ich mich später doch dazu, und zwar um so lieber, als ich glaube nicht ohne Grund voraussetzen zu dürfen, dass sie manchen Lesern willkommen sein wird, indem wir jetzt das ungeläufige Glagolitische für den Druck gewöhnlich mit cyrillischen Buchstaben umzuschreiben pflegen und diese Methode in der That zu grösserer Verdeutli- chung sehr zweckdienlich ist.
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І. А.
- Ⰲ’ ⰉⰂⰡⰕⰡⰕⰊⰄⰟⰐⰡ: …… …………… …………….………………
- ⰉⰄⰑⰂ……….…(Ⰴ)Ⱏ…………….……ⰅⰓ…….………… ………………….
- ………………………ⰑⰂⰅⰂⰕ……Ⰸ…………..Ⱑ……………………….ⰃⰔ
- ……………………..…ⰖⰐⰟ…………ⰉⰟ…………..ⰡⰍⰑ Ⰱ…….…………
- ⰒⰓⰡⰁⰄ…………..Ⱂ………Ⱁ…………… ……………………….…..ⰀⰐⰑⰣ
- ⰕⰂⰀⰓ….…ⰑⰁ’Ⱀ…………...ⰉⰎⰑⰂ…………… …………..…Ⰿ……...
- ⰐⰀ ⰐⰓⰡⰒⰑⰎⰑⰂⰄⰅⰐⰔⰅ : ⰉⰎⰡ……… …………..’Ⱄ…………..
- ⰑⰕⰟ ⰆⰔⰂⰑⰐⰑⰉ’ⰐⰔⰘ’ (Ⱅ)Ⱄ ⰂⰑ(ⰄⰟ ⰉⰕⰖⰎⰅⰐ)Ⱏ(ⰜⰟ)
- Ⱂ(Ⱃ)ⰔⰉ(Ⱀ)ⰑⰕ(ⰅⰍ)ⰖⰜ(Ⱏ) ⰘⰅ ⰒⰑ(ⰝⰓⰟ)ⰒⰟⰐⰔ (ⰏⰔ ⰞⰝ)ⰅⰎ(ⰓⰑⰕⰟⰔ
- ⰎⰀ) ⰏⰔ ⰁⰖⰄⰕ(Ⱏ) ⰂⰟ (Ⰶ Ⱄ)ⰂⰑⰕⰟ )ⰡⰍⰑ ⰂⰑⰑⰄⰀ ⰕⰅ
- ⰍⰖⰜ)Ⱏ (ⰔⰉⰕⰑ)Ⱍ’ⰐⰔⰍⰟ ⰝⰎⰑⰂⰡⰍⰑ(ⰎⰣ)ⰁⰟⰝⰅ :
- ⰉⰂⰡⰕ(Ⱄ)Ⰴ’ⰐⰀ : ⰐⰀⰒⰓⰡⰑⰁⰓⰀ……… ………………..
- ⰒⰓⰡⰑⰁⰓⰀⰈⰔ ⰉⰥ ⰐⰀ ⰃⰑⰓⰡ ⰘⰅ ⰁⰅ ⰒⰑⰍⰀⰈⰀⰂⰟ
- ⰖⰝⰅⰐⰔⰍⰑⰏⰟ ⰉⰂⰑⰔⰏⰟ……………… …………………………….ⰂⰖ:
- (Ⰹ)ⰡⰏⰖ ⰂⰟ ⰉⰂⰡⰕⰟⰎⰡ ⰑⰁⰄⰀⰜⰡ…………….ⰥⰧ ⰃⰔ
- ⰄⰘⰏ’…….Ⱀ…….ⰏⰟ : ⰏⰑⰄⰎⰔⰕⰂⰀⰏⰔ…………..Ⰵ Ⰱ(ⰜⰥ?)
- ⰉⰒⰉⰔ ⰄⰞⰥ ⰐⰀⰞⰥ ⰉⰂⰡ ⰂⰞⰡⰘ’ ⰉⰕⰘ’
- ⰘⰂⰀⰎⰖ…………………..ⰏⰖ ⰂⰀ……...ⰉⰁⰑⰓⰖ
- ⰔⰈⰂⰀⰎⰅⰐⰔⰜⰔ ⰁⰑ……………….ⰐⰁ…ⰏⰀⰎⰔ Ⱄ ⰂⰅⰎⰔ
- ⰜⰉ: ⰡⰍⰑ ⰜⰡⰉⰀⰓⰔⰕⰟ……..ⰁⰟ ⰐⰀⰞⰟ : ⰓⰀⰄⰖⰅ
- ⰏⰟ ⰉⰧ Ⱄ ⰂⰅⰉⰅⰎⰔⰏⰟ ⰉⰧ ⰄⰀⰄⰔⰏ’ ⰉⰎⰀⰂⰖ ⰁⰖ:
- ⰉⰂⰡⰡⰕⰔⰎ’ⰐⰀ ⰉⰎⰡⰒⰑⰏⰖ :
- ⰖⰏ’ⰐⰡⰔ ⰏⰑⰔ ⰑⰝⰔ ⰑⰉⰎⰡⰒⰟⰐⰖⰂⰞⰔ ⰃⰔ: ⰑⰕⰟ Ⰿ’ⰐⰑ
- Ⰳ(ⰀⰃⰑ) ⰃⰓⰡⰘⰀ : ⰕⰟⰔ ⰒⰓⰑⰉⰂ ⰑⰉⰂⰡⰕⰔ : Ⱄ ⰂⰔ…..
- Ⰹ’ⰃⰓⰡⰞⰔ…………..ⰑⰕⰔⰏⰔ : ⰉⰟⰏⰡⰓⰅⰐⰔⰏⰟ
- ⰑⰏⰟⰔ………..ⰉⰎⰟⰟⰈⰀⰏⰔ ⰏⰑⰔⰏⰔ:
- ⰉⰂⰡⰕⰔⰎ’: ⰐⰀ ⰂⰟⰈⰐⰑⰞⰅⰐⰔⰅ:
- ⰂⰟⰈⰐⰅⰉⰅ (Ⰹ)Ⱕ ⰍⰟ ⰑⰕⰟⰜⰖ ⰉⰂⰑⰅⰏⰖ : Ⱃ(ⰀⰄ)
- ……………...Ⱏ…………… ⰖⰝⰅⰐⰔⰍⰑⰏⰟ……………..ⰉⰎⰀⰂⰑⰣ
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І. В.
- ⰉⰂⰑ(Ⱙ :) ⰊⰁⰑ ⰘⰅ ⰂⰟⰈⰐⰅ ⰉⰧ
- ⰒⰓⰉⰂ(Ⱑ)ⰜⰠ ⰂⰞⰡⰝⰠⰉⰍⰀⰡ :
- ⰉⰂⰡ : ⰐⰀ ⰒⰧⰐⰕⰟⰕⰔⰍⰑⰉⰕⰔ :
- ⰒⰧⰐⰟⰕⰍⰑⰉⰕⰔⰅ ⰉⰕⰀⰡ ⰃⰓⰧ
- ⰄⰡⰕ(Ⱐ) : ⰂⰞⰔ ⰒⰑⰝⰠⰕⰡⰏⰟ ⰄⰘⰟ
- ⰉⰕⰟⰔ : ⰒⰓⰔⰄⰅ ⰁⰑ ⰖⰏⰖⰄⰓⰧ
- ⰀⰒⰉⰕⰑⰟⰔ : ⰉⰅⰃⰑ ⰒⰓⰔ
- ⰏⰡⰏⰟ ⰂⰞⰔ : Ⰺ ⰒⰑⰍⰎⰑⰐⰔ
- ⰏⰟ ⰉⰧ : ⰅⰏⰖ: , , ⰉⰂⰡⰕ
- .
- .
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- .
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- ..
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- ⰄⰟⰂⰑⰔⰜⰅⰣ ⰉⰂⰡⰕⰑⰐⰑⰉⰟⰐⰡ¬¬
- ⰓⰔⰏⰟⰉⰍⰀ ⰒⰑⰘⰂⰀⰎⰑ : ⰉⰂⰡ : ⰐⰀ
- ⰒⰓⰡⰉⰕⰀⰂⰅⰐⰔⰅ : ⰁⰜⰡ : , ,
- ⰒⰓⰡⰉⰕⰀⰂⰔ ⰉⰧ ⰑⰕⰟ ⰈⰅⰏⰧ
- ⰐⰀ ⰐⰅⰁⰅⰉⰀ ⰏⰀⰕⰔ ⰁⰆⰔⰡ
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ІІ. А.
- .
- .
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- (Ⰹ)ⰡⰄⰔⰄⰄⰟⰐⰀ ……………………………… (Ⰳ)ⰄⰀ(Ⰹ)Ⱏ Ⱄ : .
- ⰍⰀⰡ Ⰰ ⰍⰟⰈⰔ ⰣⰄⰑ ⰐⰀⰖⰉⰕⰔ ⰒⰓⰡ
- .
- .
- ,
- .
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ІІ. А.
- ……………:∙ antifonъ : v : ∙ ………….
- ………..a : (psa)m : ia : glasъ e
- ………….. Obidu mję ěko psi mnozi
- Udariša tję cěsaju za lani
- tu udarenimъ vъprašachą
- tję i lъžesъvstovachu :
- n............b ∙ : bъ velmi : ∙
- nifonъ : b : psa : jg : glasъ b :
- (otъ)pěl ............. : večeri tvoei
- che učenikomъ tvoimъ poěvě
- vaše edinъ otъ vasъ i pro
- dastъ mję bezakonъy že
- їjuda nevъschotě razuměti : ∙
- (t)ą gï obildjec :
- .......fonъ : v : ∙ psa : ∙ k : glasъ : Ⰷ : olъ
- pělo I : ∙ Slovo zakonoprěstu
- gi neostavi mne nъ posílají na
- (S)ědidlъna ......................(g)la(s)ъ i :
- Kaě ta kъzni judo mausti probably
- stolъskago tje otъluči
- eza dara cěъluči
- eza sъ oněmi večerěvъ(š)a
- ………….. Obidu mję ěko psi mnozi
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ІІ. В.
- ⰑⰕⰟⰓⰔⰐⰖⰅⰈⰟⰔ ⰑⰕⰟⰓⰔⰐⰖ : ⰅⰈⰀ
- ⰑⰐⰡⰏⰟ ⰐⰑⰈⰡ ⰖⰏⰟⰔⰂⰟ ⰕⰂⰑⰔ ⰒⰓⰡ
- ⰈⰓⰡ : Ⱉ ⰍⰑⰎⰔⰍⰀ ⰁⰎⰀⰃⰀ ⰐⰅⰒⰑⰏⰟ
- ⰐⰡ ⰕⰂⰑⰡ ⰆⰅ ⰁⰅⰉⰘⰂⰀⰎⰟⰐⰀⰡ ⰂⰑ
- ⰎⰡ ⰑⰁⰎⰔⰝⰀⰕⰟ ⰕⰧ Ⰰ ⰕⰑⰃⰑ ⰐⰅ
- ⰏⰡⰓⰐⰑⰅ ⰏⰔⰎⰑⰉⰓⰟⰄⰔ ⰒⰓⰑⰒⰑⰂⰡ
- ⰉⰕⰟ ⰉⰧ Ⱄ ⰂⰅⰎⰔⰡ ⰏⰔⰎⰑⰉⰕⰔ : ∙
- ⰁⰎⰀⰆⰅⰐⰐⰀ : ⰃⰎⰀⰉⰟ : ∙ : Ⰳ :
- Ⰴ ⰓⰡⰂⰀ ⰓⰀⰄⰔ ⰀⰄⰀⰏⰟ ⰓⰀⰡ ⰁⰟⰉⰕⰟ
- ∙:∙ ⰔⰉⰅⰎⰟ ⰄⰓⰡⰂⰟⰏⰟ ⰆⰅ ⰍⰓⰔⰆⰟ
- ∙:∙ ⰐⰟⰏⰟ ⰓⰀⰈⰁⰑⰔⰐⰔⰍⰟ Ⱄ ⰂⰟ ⰓⰀⰔ
- ∙:∙ ⰂⰟⰉⰅⰄⰎⰔ ⰉⰧ ⰑⰂⰟ ⰁⰑ ⰂⰟⰍⰖ
- ∙:∙ ⰞⰟ ⰈⰀⰒⰑⰂⰡⰄ ⰒⰓⰡⰉⰕ
- ∙:∙
- ∙:∙
- ∙:∙
- ∙:∙ ⰒⰓⰔⰎⰅⰞⰔ ⰂⰟ ⰜⰡⰉⰀⰓⰟⰉⰕⰂⰔⰅ ⰉⰂⰑⰅ ∙:∙
- ⰕⰂⰑⰓⰟⰜⰀ ⰈⰀⰍⰑⰐⰖ ⰑⰕⰟ ⰖⰝⰅⰐⰍⰀ
- ⰒⰓⰔⰎⰅⰞⰔ ⰂⰟ ⰜⰡⰉⰀⰓⰟⰉⰕⰂⰔⰅ ⰉⰂⰑⰅ
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8.
Die Beleuchtung des vorausgeschickten Grundtextes soll nun den Gegenstand der folgenden Untersuchungen bilden: hier will ich vorläufig nur zwei nothwendige Bemerkungen voranstellen, deren eine die Einklammerungen überhaupt, die andere aber die unlesbaren Stellen speciell betrifft. Die eingeklammerten Buchstaben sind solche, welche in Folge der Beschädigungen der Membran und der Schrift im Original entweder gänzlich fehlen, oder nur dem geringsten Theile nach sichtbar sind, oder, wie in L. A., mit Bestimmtheit nicht erkannt werden konnten. Versehen und Lücken dagegen, die von den Schreibern selbst herrühren, wie I. A. 8. živonos'nich', B. 21. vers, II. A. 14. obidjec und B. 9. bъstъ, wurden ohne Verbesserung gelassen. Ich hoffe, dass es bei der oben ausführlich charakterisirten Beschaffenheit der alten Membranen Niemand Wunder nehmen wird, wenn es mir, trotz aller angewandten Mühe, nicht gelungen ist, alle Stellen mit entschiedener Sicherheit zu lesen. Abgesehen von den lädirten und völlig entfärbten Zeilen und Stellen der mit Sepia- oder Pflanzen-Tinte geschriebenen Seite I. A., wo ganze Wortcomplexe ohne Hilfe eines gleichlautenden Textes aus einer andern Handschrift absolut unlesbar sind, enthalten auch die Seiten 1. B. und II. A. einiges, was problematisch bleibt oder gar nicht zu lesen ist. Problematisch bleibt L. B. 1. svo(ją :) wo schon das Ⱁ o nicht ganz sicher ist; unlesbar sind in den rothen Überschriften II. A. mehrere Wörter und Zahlzeichen, wo ich auch das zweimal, nach otъpělo Z. 16 und nach (g`la(s)ъ Z. 19., vorkommende Ⱄ (denn die Überreste einer rothen Majuskel vor der Zeile 21 halte ich für Theile der verzierten zur Z. 20 gehörigen Initiale Ⰽ) mit Gewissheit nicht zu deuten vermag. Dieses Ⱄ kann hier keine Zahl sein, wie man erwartet und wie in den spätern slawischen Ausgaben wirklich steht ( ∙з∙ ), weil es 20 bedeutet; sondern es ist eher eine Andeutung der Stimme. Im Griechischen steht nähmlich hier sonus gravis): es könnte demnach das Ⱄ der Anfangsbuchstabe des entsprechenden slawischen Wortes oder etwas dem Ähnliches sein.