10 / Die getilgte
Schrift

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10.

Bei der bereits oben (No. 5. 6) geschilderten Beschaffenheit der Membran und Tinte des Fragments 1. darf es nicht befremden, dass von einer Restaurirung der getilgten Schriftgar nicht die Rede sein kann. Alles, was darüber nach der angestrengtesten Untersuchung gesagt werden kann, reducirt sich auf das Folgende.

Die in dem Fragment 1. auf Seite A. oder auf der früber verdeckt gewesenen Haarseite ursprünglich gewesene glagolitische Schrift wurde nicht durch Abschaben und kaum auch durch Abreiben, sondern wahrscheinlich bloss durch Waschen vertilgt, was um so leichter geschehen konnte, als sie mit rein organischer Tinte (vermuthlich Sepia) geschrieben war. Die Schrift war gross, grösser als die alte Schrift auf der Seite B. und als die neue Schrift in den beiden Fragmenten. Ich erkannte davon mehr oder weniger deutlich ein 3 Zeile 15 in und über dem & in der Endung...€36...cje: ein A Z, 19 in und unter dem & im Worte V38818 velici; ein 2 Z. 25 in dem letzten Buchstaben 8; die Buchstaben 32 Z. 26 nach und unter dem ...8 in 29828 moimi; ein 8 2. 27 in dem vorletzten krum men Zierstrich am Ende der Zeile; endlich ein & mit der Titla, nahe unter der letzten oder 29 Zeile, rechts gegen den Rand, unter dem & in 2-3 slavoju, höchst wahr- scheinlich als Signatur der Lage, d. i. 8. Es gibt zwar ausserdem noch zerstreute Spuren von der alten Schrift, aber ganze Buchstaben konnte ich darin nicht mehr erkennen. Die noch einigermassen erkennbaren Buchstaben sind, wie gesagt, auffallend gross und etwas anders gestaltet als die der neuen Schrift, daher von einer andern Hand.

In demselben Fragmente Seite B. sind zuerst oben am linken Rande, dem Anfange der Zeilen 1-4 gegenüber, Spuren von einer verlöschten Initiale, vielleicht von 4, wo nicht von einem andern Buchstaben, was mir sogar wahrscheinlicher ist (denn ein Chrismon passt hieher nicht), sichtbar. An und vor dem Anfange der Zeilen 4-12, in der Nähe des Loches von der ausgekratzten Initiale, so wie zwischen dem Ende der Zeilen 8-10, sind zahlreiche Spuren von vertilgter Schrift; doch konnte ich nur zwischen dem Anfange der 7. 5-6 ein 8, vor der Z. 7 ein grosses, vor der Z. 8 ein und 8, in der Initiale der Z. 11 ein 8, nahe dabei zwischen dem Anfange der Z. 11-12 ein 36 und hart am Anfangsbuchstaben der 13 Z. ein 8 ausnehmen. Vor den Z. 14-16 steht die wohlerhal- tene grosse verzierte Initiale V. hierauf folgen 8 und 2 und zwei andere unkenntliche Buchstaben, so dass man etwa 828 vasi oder so etwas lesen könnte. Über dem Anfang der Z. 15 und vor den Z. 16-19 finden sich noch deutliche Spuren von der alten Schrift, worauf dann in dem untern Theile der Initiale 9 vor den Z. 20-21 deutlich ein grosses A in die Augen fällt. Ganz unten, unter der 27 Zeile am Rande der Columne, in den Fal- ten des Pergaments, sind zwar schattenartig schwindende Spuren von Schrift mit der Loupe zu entdecken, die ich als Buchstaben zu fixiren suchte und den Anfang 3% Pь... egzda prid... zu lesen geneigt wäre: doch für gewiss will ich diese Entzifferung und Deu- tung nicht ausgeben. Nur so viel scheint mir zuverlässig, dass die gelöschte Schrift auch Kirchenhymnen enthalten habe.