03 / Lage und Maass
der Fragmente

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3.

Die zwei Fragmente befanden sich zur Zeit ihrer Entdeckung auf der innern Seite des Hinterdeckels, wo sie senkrecht neben einander gestellt und stark mit Leim angeklebt waren. Sie waren so gerichtet, dass das Obere oder der Kopf der Schrifteolumne nach dem breiten äussern Rand des Deckels, das Untere aber nach innen gegen die Falze oder den Rücken des Codex gekehrt war, so dass man den Deckel der Breite nach vor sich hinhalten musste, wenn man die Schrift lesen wollte. Der Raum, den die zwei Fragmente auf dem Deckel cinnahmen, betrug der Höhe nach 8 Zoll 2 Linien, der Breite nach 11 Zoll 1 Linie. Des erste Fragment hielt in der Breite 5 Zoll 7 Linien, das zweite 5 Zoll 6%, Linie. Die Schrift des ersten bildete eine Columine von 6 Zoll 7 Linien, die des zweiten von 6 Zoll 9 Linien. Die Breite der Schriftcolumne, als auf beiden Fragmenten sehr ungleich, hielt bei dem ersten zwischen 12-57, bei dem zweiten zwischen 58-63 Pariser Linien. Jetzt, nach der Ablösung der Blätter, hat sich das Pergament durch Einwirkung der Luft, wie natürlich. etwas, wiewohl unbedeutend, verzogen, so dass gegenwärtig das erste Fragment in der Höhe 8 Zoll, in der Breite 5 Zoll 6 Linien, das zweite aber in der Höhe 7 Zoll 7, Linie, in der Breite 5 Zoll 6 Linie hält. Da der Rand beider Blätter nicht ganz geradlinig, sondern kruim beschnitten ist, so bedeckte das linke Blatt an einigen Stellen den Rand des Rechten bis beiläufig auf 2 Linien. Beide Blätter sind übrigens am linken Rande stark beschnitten, so dass hie und da ganze Buchstaben weggeschnitten sind.

Es war gleich beim ersten Anblick der Fragmente aus der Beschaffenheit des Pergaments und der Schrift leicht zu erkennen, dass diese zwei Blätter nicht einer, sondern zwei verschiedenen Handschriften angehören. Bei näherer Prüfung ergab sich dazu, dass das erste Blatt ein Palimpsest (Codex rescriptus) mit getilgter glagolitischer Schrift ist und dies bestätigte sich, nach Ablösung des Blattes, auch von der andern Seite desselben, wo sich zugleich zeigte, dass das Blatt mit der Rückseite, welche zugleich die Fleischseite ist, nach aussen gekehrt, mit der Vorderseite aber, welche die Haar- oder Narbenseite ist, angeklebt war. Bei dem zweiten Blau, welches kein Palimpsest ist, war die Vorderseite, welche eben- falls zugleich die Haar- oder Narbenseite ist, nach aussen gewendet.

Da wir es nun hier mit Schriften von verschiedenen Schreibern zu thun haben, die wir streng unterscheiden müssen, so bemerke ich ein für allemal, dass ich, um kurz und präcis sprechen zu können, das erste links liegende Fragment mit 1, das zweite rechts liegende mit II, ihre Vorderseite mit A, ihre Rückseite mit B, und die Zeilen mit arabischen Ziffern bezeichnen werde, z. B. L. B. 5., II. A. 10 u. s. w. Ausserdem werde ich, wo es nöthig sein wird, die ursprüngliche Lage der Blätter durch die Ausdrücke offene Seite und bedeckte Seite andeuten, was, wie aus dem Gesagten erhellt, bei I mit der Vorder- und Rückseite nicht identisch ist.